Zusammenfassung des Arzt-Patienten-Seminars am 12.10.2019 im Universitätsclub Bonn

Das diesjährige Arzt-Patienten-Seminar war thematisch auf die Basedow’sche Krankheit ausgerichtet. Im ersten Teil des Seminars berichtet Herr Prof. Dr. Michael Cordes aus Nürnberg über die Diagnostik und Therapie. Der Merseburger Arzt Carl Adolph von Basedow hat diese Erkrankung Mitte des 19. Jahrhunderts beschrieben, und sie ist später nach ihm benannt worden. Basedow hat erkannt, dass bei manchen Patienten eine Vergrößerung der Schilddrüse, ein Hervortreten der Augäpfel und ein beschleunigter Puls zusammen auftreten können. In der Medizin wird dieser Symptomenkomplex heute als Merseburger Trias bezeichnet. Es ist nunmehr bekannt, dass der von Basedow beschriebenen Krankheit eine Störung des Immunsystems zugrunde liegt. Durch diese Störung werden Eiweißstoffe, sogenannte Antikörper, gebildet, welche die Schilddrüse permanent stimulieren. Durch diese Stimulation kommt es zu einer vermehrten Bildung von Schilddrüsenhormonen im Sinne einer Überfunktion des Organs. Die Basedow’sche Krankheit zählt zu den Autoimmunerkrankungen.

Die Behandlung erfolgt in erster Linie durch Medikamente, welche die Bildung von Schilddrüsenhormonen hemmen. Diese auch als Thyreostatika bezeichneten Medikamente werden in der Regel gut vertragen. Allerdings können auch Nebenwirkungen, wie z.B. Juckreiz und Ausschläge auftreten, über die Patienten aufzuklären sind. Üblicherweise wird diese Behandlung über eine Zeitspanne von circa 1 Jahr durchgeführt. Dann erfolgt die Entscheidung über ein Absetzen der Medikation als „Auslassversuch“.
Wenn es danach zu keiner erneuten Überfunktion kommt, besteht eine sogenannte Remission. Eine weitere medikamentöse Behandlung ist dann nicht mehr erforderlich, sodass die Patienten in regelmäßigen Abständen im Hinblick auf die Schilddrüsenfunktion ärztlich überwacht werden sollten.

Wenn jedoch erneut eine Überfunktion nach Absetzen der Medikation auftritt, ist entweder eine Operation oder eine Radio-Jod-Therapie erforderlich, um die Überfunktion der Schilddrüse dauerhaft zu beseitigen. Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile, die es zusammen mit den Patienten abzuwägen gilt. Die Erfolgsraten sind für beide Verfahren nahezu identisch.

Im zweiten Teil des Seminars stellt Herr Prof. Dr. Joachim Esser aus Essen die Augenbeteiligung bei der Basedow’schen Krankheit dar. Diese Augenbeteiligung wird medizinisch als Endokrine Orbitopathie bezeichnet.

Eine Endokrine Orbitopathie in unterschiedlicher Ausprägung findet sich bei 30 – 50 % der Patienten mit der Basedow’schen Krankheit. Die Einteilung des Schweregrades der Augenbeteiligung reicht von einer milden bis hin zu einer schweren, die Sehkraft bedrohenden Form. Meistens tritt die Endokrine Orbitopathie zusammen mit der Basedow’schen Erkrankung auf. Sie kann jedoch auch der Schilddrüsenüberfunktion vorausgehen oder nachfolgen.

Typische Symptome sind Lid- und Bindehautschwellungen, zurückgezogene Augenlider, Doppelbilder oder eine Sehkraftminderung. Für die Unterscheidung zwischen aktiver und inaktiver Endokriner Orbitopathie wird ein klinischer Aktivitätsscore herangezogen. Dieser erlaubt eine Aussage über die Wahrscheinlichkeit des Ansprechens einer antientzündlichen Behandlung.

Die augenärztliche Untersuchung umfasst eine Reihe von Messgrößen, die das Ausmaß der Augenbeteiligung bei Endokriner Orbitopathie sehr genau bestimmen lassen. Die Behandlung der Endokrinen Orbitopathie richtet sich nach dem Stadium, bzw. der Ausprägung. Bei einer milden Endokrinen Orbitopathie hat sich die Einnahme von Selen bewährt. Bei einer moderaten Endokrinen Orbitopathie kann eine intravenöse Kortisontherapie indiziert sein. Diese intravenöse Kortisontherapie wird in bestimmten Situationen mit einer sogenannten Orbitaspitzenbestrahlung kombiniert, um die Beweglichkeit der Augäpfel zu verbessern. Neuerdings stehen auch andere Medikamente zur Verfügung, sofern Kortison und Orbitaspitzenbestrahlung ohne ausreichenden Effekt geblieben sind.

Bei einer sehr schweren Ausprägung der Endokrinen Orbitopathie ist unter Umständen eine operative Behandlung angezeigt, um einem drohenden Sehverlust zu begegnen. Für diese operative Behandlung stehen unterschiedliche Verfahren zur Verfügung, die teilweise eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Augenärzten, HNO-Ärzten und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen erfordern.

Beide Referenten haben die Basedow’sche Erkrankung und die Endokrine Orbitopathie umfassend dargestellt. Entsprechend interessiert verlief die Diskussion mit den Teilnehmern des Seminars. 

Prof. Dr. M. Cordes